Anlässlich des 75-Jahr-Jubiläums, das mit seinem historischen und nostalgischen Festumzug mit teilnehmenden Gruppen aus der Region die Dimension eines kleinen Dorffestes angenommen hatte, sammelte Kurt Heid unter dem OK-Präsidium von Bruno Egloff erste Erfahrungen als OK-Vizepräsident in der Durchführung eines Grossanlasses. Sechs Jahre später amtete er gar als OK-Chef bei der Uniformeneinweihung, welche mit einem regionalen Musiktag mit über 1'100 Musikantinnen und Musikanten gefeiert wurde. Das waren Grossanlässe, von denen eine Generation noch heute schwärmt.
Das Herz von Kurt Heid schlägt für den Musikverein, weshalb er dafür auch besonderes Engagement auf sich nimmt. Zusätzlich amtete er noch zwanzig Jahre als Präsident. Zufrieden konnte er am Wochenende auf den neuesten zweitägigen Grossanlass des nur 23 Aktive zählenden Vereins zurückblicken.
Grossartiges Fest erlebt
Der Musikverein Obermumpf feierte mit einem interessanten Rahmenprogramm seinen 100. Geburtstag, was weit über 1'000 enthusiastische Besucher nach Obermumpf brachte und die sich gerne an die begeisternde Stimmung erinnern werden. Kurt Heid amtete als OK-Präsident und er zeigte sich rundum glücklich über den gelungenen Anlass. "Wir haben ein grossartiges Fest erlebt", lautete seine Bilanz. "Der Besucheraufmarsch und die Stimmung waren fantastisch", doppelte Vereinspräsidentin Marlene Carbo-Stocker glücklich nach.
Rund 180 Personen aus der Umgebung und verschiedensten Vereinen halfen bei dem Grossanlass mit und trugen zum Erfolg bei. Natürlich spielte auch das geradezu mit hochsommerlichen Temperaturen aufwartende Festwetter eine grosse Rolle, welche am Samstagabend beim Unterhaltungsprogramm die Wellen der Begeisterung schnell an den Siedepunkt schnellen liess.
Das Programm umfasste eine breite Palette verschiedenster musikalischer Auftritte und Bühnenshows, was ganz im Gusto des Publikums stand.
Den Reigen des interessanten Abendprogramms im Festzelt eröffnete die Jugendband Wegenstettertal. Dirigent Valentin Sacher liess die Jugendlichen einmal mehr zu Höchstleistungen auffahren und begeisterte das Publikum mit klingenden Ohrwürmern aus der Schlagerwelt, Musicals und Filmmelodien. Unbeschwert, erfrischend und hoch motiviert brillierten die Jugendlichen mit ihrem Hitprogramm.
Aufgeheizte Stimmung
Zusätzliches Oel gossen anschliessend die "Bieranjas" mit ihrem tongewaltigen, ungestümen und knallharten Brass-Sound in die angeheizte Stimmung. Die zwanzig bestbekannten Stimmungsmacher in dunkler Aufmachung im Stile der "Blues Brothers" wissen, wie man das Publikum vor Begeisterung auf die Bänke steigen lässt.
Eine völlig andere Stilrichtung offerierte die Formation "Pipes & Drums of Basel". Trommeln, Pauken und Dudelsackklänge dominierten nun das Geschehen mit schottischen Klängen, aber nicht minder voluminös. Die Basler errangen kürzlich an den offiziellen Schweizermeisterschaften für Pipe Bands den Schweizermeister-Titel sowie den Titel für das Beste Drum Corps.
Begeisternde Standing Ovation
Helle Begeisterung löste schliesslich der Gesamtchor mit den drei vereinten Formationen aus, welcher Valentin Sacher mit dem imposanten Tonerlebnis zum Publikumsliebling werden liess. Das Publikum war derart in Hitze geraten, dass minutenlanger Applaus und eine "Standing Ovation" das gewaltige Engagement honorierten. Mit einem rhythmischen Feuerwerk ging es in die Schlussrunde: Mit ihrem swingenden Sound brachte die Dixieland-Formation "Crazy Men" das Publikum in Wallung und liess es in nostalgischen Klängen schwelgen.
Der Tag danach
Kurz war die Nacht für die Organisatoren, denn um halb elf Uhr spielte am Sonntagmorgen schon wieder eine Formation auf der Bühne auf. Der Sonntag stand ganz im Zeichen der Blasmusikformationen mit ihren beschwingten und erfrischenden böhmisch-mährischen Klängen. Das Frühschoppenkonzert eröffneten die 15 fidelen "Dinkelberger Musikanten" aus dem deutschen Minseln, welche von den "Fürstenländer Musikanten" aus Schwyz abgelöst wurden.
Aus der Nachbarschaft brillierten nach dem Mittagskonzert die "Rhybuebe" aus Stein und nach dem feierlichen Festakt liessen die "Argovia Musikanten" sowie die "Original Rotbergmusikanten" das stimmungsvolle Jubiläumsfest ausklingen. Unter dem kräftigen Mitklatschen und Anspornen des begeisterten Publikums war die Temperatur in der Festhalle inzwischen auf tropische Höhen geklettert. In hochsommerlicher Ambiance fand der feierliche Festakt statt, wo die wehenden Fahnen der Vereinsdelegationen willkommene Kühlung bewirkten.
Musik gewürdigt
"Ein Dorf ohne Musikverein - für mich unvorstellbar", lautete die Zusammenfassung von Esther Vogel, welche beim feierlichen Festakt, sekundiert von Martin Schüttel, die besten Wünsche und wertvolle Geschenke der Dorfvereine übergab. "Ein Dorf ohne Musik ist ohne Leben", bekräftigte Gemeindeammann Peter Deubelbeiss.
"Wer nicht Musik macht, verpasst sehr viel", doppelte Adolf Herzog vom Aargauischen Musikverband nach und forderte eine noch intensivere Unterstützung der Musikvereine. "Wir dürfen auf ein schönes Fest mit vielen guten Erinnerungen zurückblicken", zeigte sich schliesslich OK-Präsident Kurt Heid rundum zufrieden.
Ein Blick in die Chronik
Zum 75-Jahr-Jubiläum hatte sich Hannes Brunner intensiv mit der Geschichte beschäftigt und eine Chronik verfasst. Das älteste überlieferte Dokument, welches ihm zugetragen wurde, datiert aus dem Jahre 1872, als der 1853 geborene Friedrich Benjamin Stocker als Mitglied in die Musikgesellschaft Obermumpf aufgenommen wurde.
Es ist somit davon auszugehen, dass im Dorf schon vor 140 Jahren eine Musikgesellschaft aufspielte. Trotzdem feierte der heutige Musikverein "erst" sein 100-Jahr-Jubiläum. Er beruft sich nämlich auf die offizielle und dokumentierte Gründung des Vereins unter dem heutigen Namen, welcher die Auflösung und Spaltung der bisherigen Musikgesellschaft und der Neugründung des Musikvereins vorausgegangen waren.
An der Versammlung vom 18. März 1911 wurde einer offenbar sorgfältig vorbereiteten Statutenänderung zugestimmt und tags darauf präzisiert. Die Musikinstrumente wurden versteigert. Ebenso die 1899 für 152 Franken angeschaffte erste Fahne, welche der Fähnrich Gustav Stocker, Bäcker für 156 Franken ersteigerte. Uniformen gab es keine bis 1949.
Nur drei Wochen nach Auflösung der bisherigen Musikgesellschaft erfolgte die Gründung des Musikvereins, welcher die "Roten" genannt wurde und sich zum alten römisch-katholischen Glauben (Christkatholiken) bekannte. Unter dem Banner der ehemaligen Musikgesellschaft formierten sich die "Schwarzen" oder Römisch-Katholiken.
Kirchenteilung erfolgte 1898
Dreizehn Jahre lang hatten die Musikanten eine Spaltung des Vereins in die beiden konfessionellen Richtungen verhindert. Denn andernorts hatten die Beschlüsse des vatikanischen Konzils von 1870 unter Papst Pius IX, welche zur Trennung der Kirche führten, auch viele Fricktaler Vereine längst in zwei entsprechende konfessionelle Lager entzweit und die offizielle Teilung der alten Kirchgemeinde fand in Obermumpf 1898 aufgrund eines Dekrets des Kantonsparlaments ihren Abschluss.
Da jeder Verein für sich beanspruchte, der rechtmässige Nachfolger der ehemaligen Musikgesellschaft zu sein, kam es immer wieder zu brisanten Situationen und gar manchem Musikanten gingen die Nerven durch.
Musikgesellschaft schlief ein
Allerdings beruhigten sich die Gemüter über die Jahre wieder und 1935 wurde sogar nach der Auflösung der Musikgesellschaft eine kleine Gruppe Musikanten der "Schwarzen" offiziell in den Musikverein aufgenommen.
1936 schaffte sich der Musikverein Obermumpf für 515 Franken das erste Vereinsbanner an, mit dem damaligen Gemeindewappen von Weinstock und Trauben (welches heute das Zeininger Wappen ziert).
1970 gab es die zweite Fahne für den Musikverein Obermumpf, welche noch heute ihren Dienst versieht. Die heutige rassige rote Uniform löste 1992 mit einem grossen Musiktag und 1'100 Musikanten die 1976 eingeweihte Uniform ab.